Arbeit

Weiblich, 24, verheiratet, sucht…

Mittlerweile ist es allgemein bekannt: Kinder bringen neben all dem Glück auch viele Nachteile mit sich – vor allem für die Mutter. Sei es bei der Rente wegen Elternzeit/Teilzeit, bei der Jobsuche, bei Gehaltsverhandlungen, …

Was ich jetzt aber am eigenen Leib zu spüren bekomme: Kinder können sich selbst dann negativ auswirken, wenn es sie noch gar nicht gibt!

Seit einigen Monaten versuche ich, mich in eine andere Firma zu bewerben, da ich momentan einfach viel zu wenig verdiene. Oft genug werde ich auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – und höre nie wieder was von der Firma.
Natürlich frage ich mich dann, woran es wohl liegen könnte. Kam ich unsympathisch rüber? Habe ich eine falsche Antwort gegeben? Habe ich mit 2,5 Jahren noch zu wenig Berufserfahrung?

Sicher trifft ab und zu einer der Gründe zu, aber tatsächlich wurde ich quasi per Zufall auf den wahren Grund gebracht: ich bin eine Frau, frisch verheiratet und in den besten Jahren. Ja, das ist ein gerechtfertigter Grund, um mich nicht einzustellen scheinbar.

Ich saß mal wieder bei einem Vorstellungsgespräch, so weit lief alles toll. Ich konnte die Fragen beantworten, habe den Herrn X zum Lachen gebracht und der Satz „Sie wären ideal für diese Stelle“ ist gefallen. Dann fällt mein Blick auf meinen Lebenslauf, den der Herr ausgedruckt vor sich liegen hat, um mir gezielt Fragen stellen zu können. Ein Wort ist mit einem gelben Markierstift von ihm hervorgehoben: „verheiratet“.
Das macht mich kurz stutzig. Was ist an dieser Information so wichtig für einen Job, dass das Wort als einziges im ganzen Text markiert werden musste? Ich denke mir wirklich noch nichts Böses und frage deswegen ganz ohne Hintergedanken:

„Herr X, wieso ist mein Familienstand denn so wichtig, dass Sie ihn sogar markiert haben?“

Er guckt mich kurz sprachlos an, wird dann rot. Stammelt irgendwas. Hier ist doch etwas faul – ein Personalchef, dem im Vorstellungsgespräch die Worte fehlen? Das hatte ich wirklich noch nie. Bei mir schleicht sich eine Vermutung ein. Mir ist in dem Moment egal, ob ich mir dadurch die Chance auf den Job verbaue, ich muss es einfach wissen.

„Herr X… ist es vielleicht so wichtig, weil Sie befürchten, ich könnte schwanger werden?“
Er überlegt kurz.. und nickt schließlich tatsächlich. Erzählt mir von Risiken kalkulieren, von der Verlässlichkeit von Mitarbeitern, von der Problematik der Elternzeitvertretung. Ich kann nicht glauben, was ich höre, wahrscheinlich stand sogar mein Mund offen.
Jetzt ist mir sowieso alles egal und ich frage noch viel direkter, wen er einstellen würde: mich oder einen weniger qualifizierten Mann gleichen Alters. Zu meiner Überrasschung erhalte ich tatsächlich eine ehrliche Antwort:

Um eine potentielle Schwangerschaft aufzuwiegen, müsste ich entweder absurd niedrige Gehaltsvorstellungen haben oder die qualifizierteste Kandidatin sein, die er je gesehen hat.

Das saß. Ich bedankte mich für das Gespräch, stand auf und ging. Ich habe alle Firmen, bei denen ich ein Vorstellungsgespräch hatte, angeschrieben und ganz direkt gefragt, ob das eventuell der Grund war, wieso ich nicht mehr weiter in Betracht gezogen wurde (was hatte ich schließlich zu verlieren?).
Natürlich antworteten die meisten nicht – immerhin könnten Sie sich mit der falschen Antwort strafbar machen. Von zweien allerdings bekam ich einen kurzen Anruf – eine schriftliche Antwort wäre natürlich zu heikel, da nachzuweisen – dass es ihnen wirklich Leid tue, aber sie müssten an die Firma denken…

Mindestens drei Firmen haben mich also nicht eingestellt, da ich schwanger werden könnte.

Auf der einen Seite verstehe ich das – immerhin ist die Sorge in meinem Fall berechtigt. Auf der anderen Seite kann jeder zu jederzeit lange ausfallen. Da reicht ein Autounfall, ein Beinbruch, … meine Mutter war erst letztens über ein Jahr krankgeschrieben, da sie Hüft-OPs bekommen musste. Väter können genauso Elternzeit nehmen wie die Mütter. Oder Mütter können nach dem Mutterschutz sofort wieder bereit für die Arbeit sein und gar keine Elternzeit in Betracht ziehen.

Ganz davon abgesehen… es ist ja nicht so, dass mir die Firma 1 Jahr lang mein Gehalt bezahlen muss, obwohl ich nicht arbeite. Nur während dem Mutterschutz steht mir mein Gehalt zu – und das bekommen die Arbeitgeber von den Krankenkassen zurückerstattet.

Mir bleibt nur zu hoffen, irgendwann eine Firma zu finden, die mich trotz der Kombination weiblich, 24 und verheiratet einstellt. Dass es eine Firma gibt, die erkennt, dass auch Schwangere und später Mütter wertvolles beitragen können. Und frage mich, in welchem Lebensabschnitt eine Frau wohl die besten Chancen hat?

Unter 25 – Grünschnabel ohne Berufserfahrung.
Unter 40 und kinderlos – könnte schwanger werden.
Unter 40 und ein Kind – will bestimmt ein zweites Kind.
Unter 40 und zwei oder mehr  Kinder – fällt bestimmt ständig wegen den Kindern aus.
Über 40 – nein danke, wir nehmen lieber die jungen, frischen, motivierten.

… und wo bleibe ich?

Ein Gedanke zu „Weiblich, 24, verheiratet, sucht…“

  1. Das ist wirklich krass! Leider überrascht es nicht, es deckt sich mit meinen Beobachtungen, gerade bei unbefristeten Stellen. Und ab 50 gilt dann für Frauen und Männer gleichermaßen: zu alt.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du dennoch einen guten und gut bezahlten Job findest!
    Es muss doch auch andere Personaler*innen geben!
    Viele Grüße
    Svenja

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