Elternzeit, Steuern

Steuertipps für den Kinderwunsch

Werdende Mütter haben eigentlich genug zu tun: Untersuchungen, Anträge, Formulare, Anschaffungen, Planungen… immerhin muss alles für den neuen Erdenbürger vorbereitet werden und zwar am Besten, ohne dass Mami und Papi in den Bankrott schlittern, weil sie Formular A38 nicht richtig ausgefüllt haben und kein Elterngeld bekommen.

Obwohl man also sowieso im Papiermüll versinkt, will ich euch trotzdem ans Herz legen, eure Steuerklassen zu überdenken – und zwar mehr als rechtzeitig. Eigentlich noch bevor ihr den positiven Test in den Händen haltet. Mit einem einzigen Antrag könnt ihr nämlich deutlich mehr Elterngeld erhalten.

In Deutschland gibt es sechs Steuerklassen, uns interessieren für diesen Artikel aber nur drei Stück: Die III, die IV und die V. Alle drei Steuerklassen kann man nur als Verheiratete haben.
Wenn beide Partner die Klasse IV haben, dann passiert nicht viel: ihr bekommt genauso viel Nettogehalt ausbezahlt wie vor eurer Heirat. Am Jahresende kommt ihr gaaaaanz grob gesagt auf +-0 EUR Steuererstattung/-nachzahlung.
Hat aber einer die Klasse III und der andere die Klasse V, dann wird dem mit der Klasse III viel weniger Steuern vom Gehalt abgezogen, als er zahlen muss – er bekommt also ein höheres Nettogehalt. Der mit der Klasse V bekommt dafür zu viel abgezogen und hat somit ein deutlich niedrigeres Nettogehalt. Am Jahresende, mit der jährlichen Steuererklärung, gleicht man diese Unterschiede wieder aus und muss mit der Kombination III/V meistens eine Nachzahlung leisten – immerhin hat einer (meistens der Mann) ja viel zu wenig in den Steuertopf bezahlt, was der andere (meistens die Frau) auch mit ihren höheren Steuern meistens nicht wieder aufwiegen kann.
Viele nehmen trotz der Nachzahlung am Jahresende die Kombination III/V und sehen es als eine Art zinsloses Darlehen vom Staat.

Soweit, so gut. Jetzt wissen wir aber, dass das Elterngeld vom Nettolohn berechnet wird. Hat die Mutter also – wie viele Frauen in Deutschland – die „schlechte“ Steuerklasse V, bekommt sie einen niedrigen Nettolohn und somit auch ein niedriges Elterngeld. Also ist es Zeit zu tricksen.
Einmal im Jahr dürft ihr eure Steuerklasse wechseln, das geht mit einem einfachen Antrag an das Finanzamt. Wenn ihr jetzt die Steuerklassen so abändert, dass die Frau in der III ist, bekommt auf einmal sie das höhere Netto – und das höhere Elterngeld. Ihr müsst nur beachten, dass diese Änderung mindestens sieben Monate vor Antritt des Mutterschutzes – also 9 Monate vor Geburt – von statten geht. Ein ziemlich enges Zeitfenster, also bitte bereits mit Einsetzen des Kinderwunsches an den Steuerklassenwechsel denken!

Gleichzeitig würde der Ehemann dadurch in die schlechtere Steuerklasse V gesteckt werden. Da ich und der Puma getrennte Konten haben, lösen wir diese Ungerechtigkeit so, dass ich ihm monatlich einfach den Steuervorteil überweise, den ich durch die tolle III erhalte. Am Ende habe ich genauso viel Geld auf dem Konto wie zu der Zeit, als wir noch nicht verheiratet waren und der Puma ebenso – nur bekomme ich, sollte ich in Elternzeit gehen, 100€ mehr Elterngeld im Monat. 100€! Nur wegen einer Formalität!

Den ersten Schritt habt ihr also erfolgreich gemeistert, aber noch seid ihr nicht komplett aus dem Schneider. Solltet ihr nun in der Elternzeit angekommen sein, müsst ihr noch einmal die Steuerklassen wechseln (ihr erinnert euch, das darf man ja einmal im Jahr). Denn in der Elternzeit sollte der Mann nicht weiterhin mit der schlechten V durch die Gegend laufen, die Frau hat jetzt nämlich nicht mehr unbedingt die finanziellen Mittel, den niedrigeren Lohn vom Mann abzufangen. Also tauscht ihr entweder wieder, so dass der Mann die gute III hat und die Frau ohne Gehalt die schlechte V – dann macht euch aber auf eine große Nachzahlung am Jahresende gefasst! Oder ihr wählt wieder die IV und die IV für beide, damit hätte der Mann unterm Jahr zwar weniger Netto, dafür fällt die Nachzahlung am Jahresende aber deutlich geringer aus. Das ist eure Entscheidung, was euch lieber ist.

Zur Veranschaulichung habe ich euch nochmal eine Tabelle mit den Nettogehältern von mir und Puma gemacht:

Tabelle

Ihr seht also: bei der Kombination V für den Mann und III für mich habe ich deutlich mehr Elterngeld. Vor dem Elterngeld bekomme ich 200€ mehr Gehalt ausbezahlt, der Puma 300€ weniger. Ich überweise dem Puma monatlich die 200€ und am Jahresende bekommen wir eine Erstattung, durch die dann die restlichen 100€ Verlust pro Monat vom Puma bereinigt werden. Alles paletti und 100€ mehr Elterngeld!

Eins müsst ihr euch nämlich klar machen: Es ist ganz egal, welche Steuerklassen ihr wählt, am Jahresende müsst ihr unabhängig von den Steuerklassen immer dieselbe Steuer bezahlen. Das im Volksmund gern gesagte „bessere Kombination, um Steuer zu sparen“ existiert so also gar nicht. Man hat nur die Wahl, ob man am Jahresende etwas nachzahlen muss, weil man unterm Jahr zu viel Gehalt bekommen hat (Vielverdiener III, Wenigverdiener V), oder ob man lieber unterm Jahr weniger Gehalt will, dafür am Jahresende eine Erstattung wartet (Vielverdiener V, Wenigverdiener III) oder aber ob man bereits mit seinem Gehalt die ungefähr richtige Steuer abdrückt, sodass am Jahresende keine Überraschung wartet – weder negativ noch positiv (beide die IV).

Welche steuerlichen Fragen haben euch schon immer auf der Zunge gelegen, aber ihr hattet niemanden, der sie euch beantworten konnte? Immer her damit! Als gelernte Steuerfachangestellte versuche ich gerne, euch weiterzuhelfen.